Was versucht dein Pferd dir zu sagen?

Pferde sprechen mit ihrem Koerper: mit Ohren, Kopf, Maul, Schweif und Haltung. Dieser Bereich hilft dir, beobachten zu lernen, nicht Gedanken zu lesen. Jedes einzelne Signal kann mehrere Dinge bedeuten; erst der Kontext und die Kombination von Signalen geben dir eine Richtung.

Pferdesprache und Verhalten. Wichtig: ein einzelnes Koerpersignal entspricht keiner festen Emotion. Lerne, das Gesamtbild und die Situation zu lesen, statt einer einzelnen Geste vorschnell ein Gefuehl zuzuordnen.

Lies die Kombination: Ohren, Maul, Hals und Schweif

Ein einzelnes Signal sagt wenig. Das Bild entsteht erst, wenn du Ohren, Gesicht, Hals, Schweif und die gesamte Haltung zusammen liest und das gegen die Situation und gegen das abwaegst, was fuer dieses Pferd normal ist. Unten findest du ein paar Beispiele dafuer, wie dieselben einzelnen Signale sehr unterschiedliche Dinge bedeuten koennen.

Ohren nach vorne

Beide Ohren zeigen nach vorne, zu etwas vor dem Pferd. Das zeigt Aufmerksamkeit, nicht automatisch Freude.

Aufmerksamkeit und Interesse an etwas vor dem Pferd, wie einem Geraeusch, einer Person oder Futter. / Eine angenehme Erwartung, zum Beispiel wenn Futter oder eine bekannte Person naeherkommt. / Erhoehte Wachsamkeit bei etwas Neuem oder Unerwartetem, was in einen Schreck umschlagen kann.

Ohren nach vorne

Kopf hoch

Der Kopf geht hoch und der Hals streckt sich. Oft Wachsamkeit oder Anspannung, manchmal einfach ein Blick in die Ferne.

Wachsamkeit: das Pferd hat etwas gesehen oder gehoert und beurteilt, ob es gefaehrlich ist. / Aufregung oder Vorfreude, zum Beispiel wenn Herdenkameraden weggehen. / Unter dem Sattel kann ein hoher Kopf mit Anspannung, Unausgeglichenheit, Unbehagen oder zu starken Hilfen zusammenhaengen.

Kopf hoch

Lecken und Kauen

Das Pferd leckt sich die Lippen und macht Kaubewegungen ohne Futter. Oft nach einem angespannten Moment, nicht einfach Unterwuerfigkeit.

Oft kurz nach einer angespannten oder unsicheren Situation, wenn das Pferd von Anspannung zu mehr Entspannung uebergeht. / Moeglicherweise das Ergebnis eines durch Stress trockenen Mauls, das beim Entspannen wieder feucht wird. / Manchmal einfach eine Reaktion auf Geschmack, Staub oder Speichel.

Lecken und Kauen

Schweifschlagen

Der Schweif schlaegt scharf oder wiederholt hin und her. Kann Fliegen sein, aber auch Irritation, Anspannung oder Schmerz.

Fliegen verjagen oder Juckreiz stillen, besonders in der warmen Jahreszeit. / Irritation oder Ungeduld, zum Beispiel bei wiederholten Hilfen oder Beruehrung. / Anspannung oder Schmerz: viel oder hartes Schweifschlagen ist eines der Verhaltensmerkmale des Ridden Horse Pain Ethogram.

Schweifschlagen
Dieser Bereich hilft dir zu beobachten; er stellt keine Diagnose. Verhalten allein beweist keine Schmerzen oder Krankheit. Neue oder deutliche Schmerzzeichen und unerklaerte Verhaltensaenderungen sollten von einem Tierarzt beurteilt werden.

Die Ohren

Ohren bewegen sich schnell und richten sich auf Aufmerksamkeit aus. Ihre Stellung zeigt vor allem, worauf das Pferd achtet, nicht sofort, wie es sich fuehlt.

Kopf und Hals

Die Hoehe des Kopfes haengt mit Anspannung und Aufmerksamkeit zusammen, bekommt aber erst zusammen mit dem Gesicht und der Situation Bedeutung.

Maul und Gesicht

Maul, Lippen und Kaubewegungen zeigen Anspannung oder Entspannung. Manche Gesten, wie Lecken und Kauen, werden oft falsch gedeutet.

Der Schweif

Der Schweif bewegt sich wegen Fliegen, aber auch bei Irritation, Anspannung oder Schmerz. Die Art der Bewegung und der Kontext machen den Unterschied.

Geraeusche und Atem

Pferde machen Geraeusche mit ihrem Atem. Das scharfe Alarmschnauben und das sanfte, rhythmische Prusten bedeuten nicht dasselbe.

Koerper und Pflege

Alltaegliches Verhalten wie Scharren, Waelzen, Ruhen und Schlafen ist meist normal, kann aber in bestimmten Kombinationen auf Unbehagen hinweisen.

Soziales Verhalten

Pferde sind Herdentiere. Vieles im Verhalten laesst sich erst im Kontext der Gruppe und der gegenseitigen Bindungen verstehen.

Abwehr, Drohen und Angst

Drohen, Beissen, Treten, Fluchten und Erstarren sind Kommunikation oder Ueberleben, kein schlechter Charakter. Oft spielen Angst oder Schmerz mit.

Stress und Schmerz

Stress und Schmerz zeigen sich selten in einem einzigen Zeichen. Es geht um Muster und um Veraenderung gegenueber dem, was normal ist. Verhalten allein stellt keine Diagnose.